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Ich stehe einem Unternehmen vor, das professionell in der Beratung von privatwirtschaftlichen
Firmen und von Institutionen engagiert ist. Ich selbst habe lange Jahre in der
Automobilindustrie beraten. Da mag der Verdacht nahe liegen, dass es mir weniger
um Bildung als um betriebswirtschaftliches Kalkül, weniger um die Kompetenzen
des Homo sapiens als um die Zurichtung des Homo oeconomicus, weni- ger um die
Gesellschaft als um den Wirtschaftsstandort Deutschland und volkswirtschaftliche
Investitio- nen gehen könnte. Oder warum zerbricht sich ausgerechnet einer
wie ich den Kopf über die Welt des Lernens und Lernenswerten? Ist da nicht
ohnehin nur wieder die übliche Position der Wirtschaft zu er- warten, die
auf geschmeidig in die Arbeitswelt sich einfügende Nachwuchskräfte schielt?
Schlimmer noch: Will hier einer unter dem Schafspelz der Bildung jetzt auch noch
der Schule die Gesetze des Marktes aufoktroyieren und unsere Bildungskultur dem
Diktat der Ökonomie opfern?
Ich würde mich selbst verleugnen und wäre ein schlechter Manager
und Berater, würde ich das deut- sche Bildungswesen mit kalter Gleichgültigkeit
und frei von allen internationalen Wettbewerbsbedin- gungen sehen. Denn heute
gilt mehr denn je: Bildungsarmut erzeugt Wachstumsarmut. Ob ein Land erfolgreich
wirtschaftet oder nicht, hängt immer stärker von der Bildung seiner
Bürger ab: Das Human- kapital Bildung entscheidet darüber, welche
Volkswirtschaften sich im globalen Wettbewerb behaupten können, erst recht
in einer alternden Volkswirtschaft wie der unseren, die viel verbraucht, aber
wenig Neues kreiert. Den demographischen Sinkflug, in dem sich die deutsche
Bevölkerung befindet, werden wir durch erhöhte Produktivität
wettmachen müssen, sonst droht uns allen gesellschaftliche Armut, am schärfsten
jenen, die auf ein gerechtes Sozialsystem angewiesen sind. Dazu brauchen wir
Kreativität und Einfallsreichtum – wie anders als durch Bildung und
Erziehung zu selbstständigem Denken und Handeln sollen diese entstehen
können? Wir brauchen alle Talente, kein einziges dürfen wir durch
ein mangelndes Bildungsmanagement verschleudern.
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